Die Synagoge in Slatina
Ein klassizistisches Gebäude von 1868 – eines der wenigen erhaltenen Beispiele ländlicher jüdischer Architektur in Südwestböhmen.
Geschichte des Gebäudes
Die ursprüngliche hölzerne Synagoge stand im Zentrum des Ghettos auf vier tragenden Holzsäulen. Sie war sehr klein, mit Abmessungen von etwa 8 × 6 Metern.
Die neue Synagoge in Slatina ist ein freistehendes, zweigeschossiges, schlicht klassizistisches Gebäude mit Walmdach. Die Außenmaße des Gebäudes betragen 18,9 × 11,4 m, die Höhe bis zum Hauptgesims beträgt 7 m. Es wurde 1868 erbaut (einigen Quellen zufolge bereits 1850). Gottesdienste wurden hier bis 1912 abgehalten.
Im September 1917 verließ der letzte Jude Slatina, und noch im selben Jahr kaufte der Kaufmann und Musiklehrer Karel Volmut die Synagoge für 10.800 Kronen. Einfallsreich verwandelte er die Synagoge in ein Gemischwarengeschäft und den Gebetsraum in eine Scheune. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog er weg, und das verlassene Gebäude diente verschiedenen Zwecken der Gemeinde und der neu gegründeten Landwirtschaftlichen Genossenschaft. Als die Genossenschaft die Synagoge zur Lagerung von Kunstdünger nutzte, schien ihr Schicksal besiegelt. Glücklicherweise verkaufte der damalige Eigentümer, die JZD Svéradice, das Gebäude nach dem Zusammenschluss der Genossenschaften 1975, und die neuen Eigentümer stellten es 1983 in seinem heutigen Zustand wieder her. Seit 1958 steht die Synagoge auf der Liste der staatlichen Kulturdenkmäler.
Technische Daten
- Abmessungen: 18,9 × 11,4 m
- Höhe: 7 m (bis Gesims)
- Dach: Walmdach, Hohlziegel
- Ausrichtung: Osten (Jerusalem)
- Stil: Klassizismus
- Erbaut: 1868
- Fenster: 8 große Rundbogen
- Adresse: Slatina 58
Beschreibung der Synagoge
Außenansicht und Ausrichtung
Dieses Backsteingebäude, für ein Dorf bemerkenswert stattlich, war eines der wenigen, das außerhalb des ehemaligen Ghettos errichtet wurde – direkt am Dorfplatz. Die Synagoge ist annähernd in Richtung Jerusalem ausgerichtet, also nach Osten, wie es bei der überwiegenden Mehrheit der in der Diaspora erbauten Synagogen der Fall ist. Diese Tradition wird nur bei wenigen Bauwerken durchbrochen. Die Wände des Tempels werden über beide Geschosse von großen halbrund abgeschlossenen Fenstern durchbrochen. Die Innenausstattung war sehr schlicht. Die synagogale Kunst kam vorwiegend durch Ornamente, Symbole und Schrift zum Ausdruck. Gemälde haben sich leider nur in sehr geringem Maß erhalten. Eines davon befindet sich über dem Ort, an dem die Thoralade – der sogenannte „Aron ha-Kodesch" – aufgestellt war. Auf der Fassade der Synagoge über dem Eingang waren vermutlich zwei steinerne Gesetztafeln oder eine andere hebräische Inschrift angebracht.
Erdgeschoss – Wohnbereich und Mikwe
Der Eingang zum Tempel befand sich vermutlich in der Mitte der Südseite des Gebäudes, das auf dieser Seite ursprünglich zwei Eingänge hatte. Der erste diente wahrscheinlich ausschließlich dem Zugang zum westlichen, bewohnten Teil des Gebäudes, in dem sich die Lehrerwohnung und das Klassenzimmer befanden. Im Erdgeschoss wurde 1917 ein kleines Ladengeschäft eingebaut. Eines der Erdgeschosszimmer diente offenbar als Küche – darauf deutet der Umriss einer Schwarzküche hin, der bei der Renovierung des Raumes entdeckt wurde. Einigen Quellen zufolge soll hier auch eine Matzenbackstube gewesen sein. Der Verzehr dieser ungesäuerten Brote (Mazzen, hebr. Matzot) stützt sich auf die biblische Überlieferung, wonach sich die aus Ägypten fliehenden Juden von Fladenbroten aus ungesäuertem Teig ernähren mussten.
Im Erdgeschoss befand sich auch das jüdische Ritualbad, die sogenannte Mikwe. Das Becken, das mindestens 762 Liter Wasser fassen und tief genug sein muss, um einem Erwachsenen das vollständige Untertauchen zu ermöglichen, wurde mit fließendem Wasser aus einer natürlichen Quelle gespeist. Im alten Israel nutzten die Priester die Mikwe zur rituellen Reinigung vor dem Tempeldienst. Heute dient die Mikwe der spirituellen Reinigung der Frau nach dem Menstruationszyklus, nach der Geburt oder anderen Blutungen. Das Untertauchen in der Mikwe ist zudem ein notwendiger Bestandteil der Konversion zum Judentum – sowohl männliche als auch weibliche Konvertiten müssen es vollziehen. Männer besuchen die Mikwe in der Regel nur an den Hohen Feiertagen (Rosch ha-Schana und Jom Kippur) zur spirituellen Vorbereitung auf diese bedeutenden jüdischen Feste. Der genaue Standort der Mikwe wurde nicht ermittelt.
Hinter den Eingangstüren öffnet sich ein Flur mit einem Tonnengewölbe und Segmentbögen. Auf der rechten Seite führt eine ebenfalls tonnengewölbte Treppe in das Obergeschoss.
Vorraum und Betsaal
Der zweite Eingang führte offenbar in einen Vorraum, der aus drei kleinen gewölbten Hallen bestand. Dieser Raum war vermutlich mit Gemälden und hebräischen Inschriften geschmückt, aus denen das Gebet „Kaddisch" die Ankommenden ansprach: „Für jene, die hier sind, und für jene, die sich an irgendeinem anderen Ort befinden. Friede, Barmherzigkeit, Gnade und Mitgefühl mögen ihnen und Euch zuteil werden…" Durch drei Bögen, die sich auf zwei massive Granitsäulen stützen, öffnet sich dieser Raum in den eigentlichen Betsaal – einen hohen, mit symbolischen Gemälden geschmückten Saal.
Hier versammelten sich die jüdischen Männer am Ende jeder Woche – am Freitag nach dem Erscheinen des ersten Sterns und am heiligen Sabbat – stets mit Kopfbedeckung. An der Ostseite, in Richtung Jerusalem, stand die Thoralade (der Pentateuch – die Fünf Bücher Mose, der älteste Teil des Alten Testaments), der sogenannte Aron ha-Kodesch. Die Lade war dauerhaft von einem Vorhang, dem sogenannten „Parochet", verdeckt. In der Mitte des Saals stand das Lesepult, der Almemor (Bima), von dem aus die heilige Thora vorgelesen wurde; sie wurde vor dem Gottesdienst vom Altar dorthin gebracht. Der Rabbiner rollte ihren Text von einer auf zwei Walzen aufgewickelten Pergamentrolle ab. Außerhalb des Gottesdienstes war sie stets mit einem kostbaren Tuch bedeckt.
Vom Almemor aus verkündete der Rabbiner auch alle kirchlichen, gemeindlichen und gesundheitlichen Gebote sowie Hinweise für das private und familiäre Leben. Die Bänke in ihrer modernen, reihenmäßigen Anordnung waren dem Thoraschrein und dem Lesepult an der Ostwand zugewandt.
Frauenempore
Frauen hatten keinen Zugang zum geweihten Teil der Synagoge. Damit sie den Gottesdiensten zumindest passiv beiwohnen konnten, war ihnen ein Raum im Obergeschoss des Gebäudes vorbehalten, der durch drei Öffnungen mit Holzgeländer in den Betsaal geöffnet war und nur über eine eigene Außentreppe an der Nordseite der Synagoge zugänglich war.
Fotogalerie
Historische und aktuelle Fotografien des Synagogengebäudes vom Ende des 19. Jahrhunderts. Fotografien: Petr Vápeník.



















Fotografien © Petr Vápeník. Zum Vergrößern auf ein Bild klicken.